Interview mit Suniti und Dominic Keller von Elephant Cross zum Herstellungsland Indien

Elephant Cross GmbH ist ein indisch-schweizerisches Modeunternehmen mit Sitz in Zürich, das 2017 von Suniti Kapoor Keller und Dominic Keller gegründet wurde. Die exquisite Kollektion feiner Schals aus Wolle, Kaschmir und Seide verbindet das Beste aus zwei Welten: Die indische Liebe zu zeitlosen Designs und Farben mit Schweizer Qualitätsstandards und fairer / ökologischer Produktion in jedem Schritt der Wertschöpfungskette.

Das Motto „sinful without sins“ steht für das Ziel, nachhaltige Qualitätsmode zu entwerfen, die vor allem sinnlich schön und elegant ist.

Wie sind Sie dazu gekommen, mit Indien zu arbeiten? (Haben Sie es kennengelernt, z.B. auf Ihren Reisen?) Haben Sie irgendwelche Anekdoten über Indien?

Ich bin in Indien geboren und aufgewachsen, so dass es für uns eine naheliegende Wahl war. Meine Eltern stammen aus Nordindien, dass für seine Wollindustrie berühmt ist. Daher hatte ich eine enge Beziehung zur Industrie und zu den Webern aus dieser Region.

Gibt es viele nachhaltige Projekte in Indien? Gibt es irgendwelche Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ländern?

Ich bin nicht sicher, ob es viele Schweizer Projekte in Indien gibt. Kulturell sind die Länder sehr unterschiedlich. Aber der Norden Indiens, vor allem Kaschmir, sieht der Schweiz sehr ähnlich. Nehmen Sie zum Beispiel die beiden Bilder unten; das eine ist aus Kaschmir, das andere aus der Schweiz.

Warum finden Schweizerinnen und Schweizer Indien besonders attraktiv? Ist es andersherum genauso?

Nicht alle Schweizerinnen und Schweizer haben die gleichen Vorstellungen und Eindrücke von Indien. Ich habe einige Schweizer getroffen, die Indien aus kulturellen und spirituellen Gründen attraktiv finden. Manche finden es auch wegen der Himalaya-Bergkette sehr attraktiv zum Bergsteigen.

Und dann habe ich auch einige Schweizer getroffen, die Indien durch die Linse von Filmen wie Slumdog Millionaire und Lion als ein schmutziges, chaotisches und unsicheres Land sehen. Andererseits ist die Schweiz dank einiger Bollywood-Filme wie DDLJ (Dilwale Dulhania Le Jayenge – Wer zuerst kommt, kriegt die Braut) für Inder das ultimative Flitterwochenziel. Ich hatte den allgemeinen Eindruck, dass die Menschen die Schweiz als ein sehr schönes Land ansehen. Es ist auch dafür bekannt, dass es Organisationen wie die UNO und das Rote Kreuz beherbergt.

Welche Auswirkungen haben Ihre Projekte in Indien? Was sind die aktuellen Herausforderungen in Indien?

Wir sind ein kleines Unternehmen, das einen spürbaren Einfluss auf ein riesiges Land wie Indien hat. Wir helfen ihnen, die traditionelle Kunst des Webens von Kaschmir und Wolle bis zu einem gewissen Grad am Leben zu erhalten. Aber Indien braucht viel mehr Unternehmen wie unseres und grosse Akteure, um wirklich etwas zu bewirken. Zum Beispiel sind viele Woll- und Kaschmirhersteller heute gezwungen, mit synthetischen Fasern zu arbeiten, weil diese billiger sind. Viele Fast-Fashion-Unternehmen drängen sie zu niedrigeren Preisen, die bei traditionellen Woll- und Kaschmirprodukten nicht erzielt werden können. Hinzu kommt, dass die Abfälle dieser Kunstfasern nicht biologisch abbaubar sind. Dies wiederum führt zu einem Umweltproblem auf den Mülldeponien in der ganzen Welt, von denen sich die meisten in Ländern der Dritten Welt befinden.

Welche Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDG) sind besonders wichtig?

Bei Elephant Cross arbeiten wir mit 12 verschiedenen Nachhaltigkeitsversprechen zu fünf verschiedenen SDGs. Sie können unsere Schwerpunktbereiche unter dem folgenden Link einsehen.

Persönlich liegt uns als Unternehmen die Umwelt sehr am Herzen. Wir lassen uns von den Worten Mahatma Gandhis inspirieren: „Die Erde, die Luft, das Land und das Wasser sind nicht das Erbe unserer Vorfahren, sondern eine Leihgabe an unsere Kinder. Wir müssen sie wenigstens so weitergeben, wie sie einst an uns weitergegeben wurden.“

Was schätzen Sie an der Kultur Indiens? Gibt es ein Produkt, das die Kultur besonders gut repräsentiert?

Indien hat eine sehr vielfältige Kultur. Das Essen, die Sprache, die Bräuche und Traditionen ändern sich alle hundert Kilometer. Das erstaunt mich immer wieder. Jedes unserer Produkte hat eine Designgeschichte, die auf unserem Verständnis der indischen Kultur beruht. Als Biespiel unser Mandala floral Seidenschal: Ein ‚Mandala‘ ist ein spirituelles und rituelles Symbol im Hinduismus und Buddhismus, welches das Universum darstellt. Die klassische Form des Mandalas, die auch in Indien Verbreitung findet, ist ein Quadrat mit vier Toren, das einen Kreis mit einem Mittelpunkt beinhaltet. Von dem symmetrischen Grundprinzip ausgehend, gibt es jedoch unendlich viele weitere mögliche Formen, und jedes geometrische Muster, das den Kosmos metaphysisch oder symbolisch darstellt, kann als Mandala bezeichnet werden. Designmuster rund um die Welt haben Inspiration aus dem Mandala geschöpft und so auch dieser feine Seidenschal.

Das Mandala ist ein figurales oder in der Form des Yantra aufgebautes geometrisches Schaubild, das im Hinduismus und Buddhismus in der Kultpraxis eine magische oder religiöse Bedeutung besitzt. Ein Mandala ist meist quadratisch oder kreisrund und stets auf einen Mittelpunkt orientiert.

Oder der Electric blue Feinwoll- und Baumwollschal : Das Blau dieses Schals wurde von der indischen Stadt Jodhpur inspiriert, die auch unter dem Namen ‚Blue City‘ oder eben ‚Blaue Stadt‘ bekannt ist. In Jodhpur zieht sich ein weites Meer aus blauen Häusern über eine Strecke von mehreren Kilometern an der Mauer der historischen Altstadt entlang. Einst zierte die blaue Farbe ausschliesslich die Häuser der Brahmanen, der Priester, und hob diese so hervor. Doch mit der Zeit bemalten auch die anderen Einwohner ihre Hausfassaden mit der kühlenden Farbe, bis schliesslich fast die gesamte Altstadt in ein facettenreiches Blau eingetaucht war.

Jodhpur ist wegen der Farbe seiner Häuser auch bekannt als die „Blaue Stadt„. Traditionell kennzeichnete die Farbe Blau die Zugehörigkeit der Bewohner zur Kaste der Brahmanen, allerdings haben heute auch Nicht-Brahmanen diesen Brauch übernommen.

Was kann die Schweiz, was können die Schweizer*innen von Indien lernen?

Dass es möglich ist, mit weniger zu leben. Der CO2-Fussabdruck eines durchschnittlichen Schweizers ist viermal höher als der eines durchschnittlichen Inders. Es ist nicht so, dass die Inderinnen und Inder keinen unnötigen Abfall produzieren. Das tun viele. Aber es gibt auch viele Menschen, die ein sehr bescheidenes Leben führen.

Wo steht Indien in puncto Nachhaltigkeit? Gibt es Projekte, Traditionen oder Lebensweisen, die besonders nachhaltig und interessant sind? Lebensweisen, die besonders nachhaltig und interessant sind?

Meiner Meinung nach muss Indien seinen Weg zu einem nachhaltigeren Leben drastisch verbessern und neu überdenken. In Grossstädten wie Delhi ist die Luft- und Wasserqualität katastrophal und verschlechtert sich von Tag zu Tag. Sie müssen nachhaltige Mittel finden, um ihre Bevölkerung aus der Armut zu befreien.

In Indien gibt es viele Solarenergieprojekte, die in Angriff genommen werden. Es gibt auch viele individuelle Bemühungen, bei denen Einzelpersonen Brachland in Wälder umwandeln.

In den Jahren, in denen ich in Indien aufgewachsen bin, und auch jetzt noch, liegt der Schwerpunkt auf dem Verzehr von saisonalen und lokal angebauten Lebensmitteln. Mangos zum Beispiel gab es nur im Sommer, nicht das ganze Jahr über, weshalb meine Erinnerung an Mangos mit dem Sommer und dem Mangobaum im Garten meiner Eltern verbunden ist.

Haben Sie einen Wunsch für die Faircustomer Gemeinschaft?

Ich glaube irgendwie mehr an das Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen, an seinen Beitrag und an den Sinneswandel hin zu einem weniger luxuriösen, aber nachhaltigeren Leben. Eine Gemeinschaft ist für mich keine Organisation, sondern eher ein Gefühl der Verantwortung im Herzen, dass ich so leben muss, dass alles Leben auf diesem Planeten gedeihen kann.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich davon überzeugt, dass Gemeinschaften zwar hier und da kleine Erfolge erzielen können, aber keinen wirksamen und dauerhaften Wandel herbeiführen können, wenn wir nicht einen grundlegenden Wandel im menschlichen Bewusstsein herbeiführen, wenn wir nicht über unser Ego hinausblicken und den menschlichen Geist wirklich verstehen können.

Was ist zu beachten, wenn Faircustomer-Kunden eine Reise nach Indien planen? Können sie ihre Produzenten besuchen oder sie eventuell bei einem Freiwilligeneinsatz unterstützen?

Ich habe mehrere Reisende in Indien getroffen. Mein Eindruck war, dass diejenigen, die gut über die Kultur und Geschichte Indiens informiert waren, es viel mehr genossen haben als diejenigen, die ohne jegliche Vorbereitung ankamen.

Es hängt von Fall zu Fall ab, aber wir können immer nachfragen.

Besten Dank für das interessante und spannende Interview. Faircustomer.ch wünscht Ihnen weiterhin viel Freude, Motivation und Begeisterung bei Ihrer Tätigkeit.

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