Social Fabric

Lisa Martin, Social Fabric

Lisa ist Projektmanagerin bei Social Fabric und hat ihren Bachelor in Sozialwissenschaften und Islamwissenschaften an der Universität Bern absolviert. Ihr Tätigkeitsbereich bei Social Fabric bezieht sich auf die Kommunikation mit Partnern und die Freiwilligenkoordination der Projekte mit Geflüchteten. Ab September wird sie zudem ihren Master an der Universität Basel in Changing Society beginnen.

Bei Social Fabric arbeitet ihr mit Upcycling Jeans, recyceltem Leder sowie alten Segeln. Gibt es einen besonderen Grund, weshalb ihr diese Materialien gewählt habt?

Der Hauptgedanke bei der Gründung war primär Upcycling. Bei den Jeans war es so, dass sich viele Personen auf einen Sammelaufruf bei Facebook gemeldet haben. Jeans sind ein Produkt, welches oft im Abfall landet. Zudem berichtete Selfnation, Zürcher Unternehmen welches nachhaltige Masshosen anfertigt, bei einem Anlass, dass 30% aller Jeans nach der Produktion gar nie getragen werden. Die restlichen 75% verlassen den Kleiderschrank nur alle drei Wochen, werden also spärlich getragen. Diesen Jeans möchten wir ein neues Leben schenken und das Material weiterverarbeiten. Der Hauptgedanke bleibt jedoch Upcycling und so suchen wir nach möglichen Ressourcen, die wirin der Produktion verwenden können. So bestehen unsere weiteren Produkte, die nicht aus Jeansstoff sind, zum grössten Teil auch aus Upcycling Materialien. Diese können auch Vorhänge oder Werbeblachen sein. Zusätzlich können Firmen auf uns zu kommen und Materialien abgeben, welche sie nicht mehr verwenden können. Wir überprüfen dann, wozu wir diese verarbeiten können.

Wie kam es zu der Gründung von Social Fabric?

Aufgezogen wurde unser Label von Heather Kirk, gelernte Pflanzenbiologin, als sie bemerkte, dass sie eine Tätigkeit mit grösserem Impact ausüben möchte. Zu Beginn wollte Heather sich im Bereich Nahrung engagieren, was nahe an ihr Studium angesiedelt ist. Bald merkte sie jedoch, dass hierzu bereits viele Initiativen vorhanden sind. Bei weiterführender Recherche fiel ihr auf, dass im Textilbereich nur wenige nachhaltige Initiativen vorhanden sind. Das Interesse an der Textilindustrie entstand, da Textilien zu einem gewissen Teil aus pflanzlichen Rohstoffen bestehen.
In der Entwicklungsphase von Social Fabric wohnte Heather mit einer Frau zusammen, die im Spital arbeitete. Diese war während ihrer Arbeit viel in Kontakt mit geflüchteten Menschen. Bei gemeinsamen Gesprächen wurde Heather bewusst, dass ein grosses Bedürfnis bei geflüchteten Menschen besteht, Arbeiten auszuüben. Aus diesen Konversationen entstand die Idee, die sozialen und ökologischen Anliegen zu verknüpfen. Obwohl diese Kombination nicht dem Ursprungsgedanke entsprach, entstand Social Fabric. Die Möglichkeit der Anpassung sowie die Umsetzung neuer Ideen sind weiterhin wichtige Eigenschaften von Social Fabric. Wir sind immer offen dafür, Neues auszuprobieren.

Gibt es eine besondere Geschichte von ProduzentInnen, die eure Produkte herstellen?

Am bekanntesten ist die Geschichte von Cissé. Cissé kam vor vier Jahren aus der Elfenbeinküste in die Schweiz. Kurz nach seiner Ankunft nahm er am Malaika Theater teil. Nach einer Aufführung wurde er von einer älteren Frau angesprochen, die ihn während des Anlasses fotografierte. Diese Frau wollte von ihm wissen, ob er auch schon in seiner Heimat Theater spielte, was er jedoch verneinte. Als sie nachfragte, was er vor seiner Ankunft in der Schweiz ausübte, erzählte Cissé, dass er Schneider ist. Aufgrund dessen erzählte die Frau ihm von den Nähkursen bei Social Fabric, welche jeweils am Donnerstag stattfinden. Dies weckte sein Interesse und fortan nahm Cissé regelmässig an diesen Kursen teil. Helka und Heather bemerkten schnell, wie gut er schneidern kann und wollten ihm einen Job anbieten, um mit ihm gemeinsam weitere Produkte herzustellen. Hierfür reichte das Geld leider nicht. Deswegen starteten Helka und Heather ein Crowfunding. Mit den so eingenommenen Spendengeldern konnten sie Cissé für das erste Halbjahr entlöhnen. Mittlerweile hat er eine feste Anstellung bei einem Pensum von 80%.

Habt ihr Wünsche an „die Faircustomers“, unsere Kundinnen und Kunden?

Wir wünschen uns, die Kundinnen und Kunden mit den Geschichten der ProduzentInnen näher an die Produkte zu bringen. Hiermit erhoffen wir uns eine höhere Wertschätzung der Produkte. Bei uns erkennen die KäuferInnen zudem, wofür sie ihr Geld ausgeben: Cissés Lohn sowie der Lohn der weiteren ProduzentInnen. Wir wünschen uns zusätzlich, dass die KundInnen neugierig sind und wert auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz legen.

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